Alles reingehauen - aber nicht belohnt

von Andreas Kettner

Die Raufbolde unterliegen nach intensiver Partie knapp Spitzenreiter Augsburg

In erschöpfte und auch enttäuschte Gesichter blickten die rund 120 Rugby-Fans nach dem Schlusspfiff auf dem Marzoller Rasen. Zuvor hatten sie ihren Spielern mit Anfeuerungsrufen und frenetischem Applaus die letzten Kraftreserven entlockt. Nach der dramatischen Schlussphase der Regionalliga-Begegnung musste sich der RFC Bad Reichenhall dennoch Spitzenreiter RFC Augsburg knapp mit 21:28 geschlagen geben. Die Köpfe ließen die Raufbolde aber nicht hängen, hatten sie den Fuggerstädtern doch einen heißen Kampf geboten und sich einen Bonuspunkt gesichert.
„Kein gutes Ende für uns. Heute war der Wurm drin. Schon vor dem Ankick mussten wir verletzungsbedingt wechseln“, sagte Spielertrainer Fabian Weidinger noch auf dem Feld. Vier weitere Ausfälle – Marco und Roman Oberdorfer, Georg Wiesbacher und Christoph Huber – mussten die Kurstädter während der Partie hinnehmen. „Das hat uns aus dem Konzept gebracht“, so Weidinger weiter, der betonte: „Ich bin stolz auf unsere 15 Jungs. Wir haben alles reingehauen und Augsburg alles abverlangt. Trotz des Kraftakts, wurden wir am Ende nicht belohnt.“
Von Anfang an war Feuer in der Partie, keines der Teams gab auch nur einen Zentimeter auf dem Rasen kampflos her. Dennoch konnten die Reichenhaller Meter für Meter gutmachen. Nach einem Einwurf kurz vor der gegnerischen Mallinie schob sich ein Pulk von Spielern in die Augsburger Endzone. Schließlich legte Georg Wiesbacher das Leder ab. Fernando Cora kickte die erfolgreiche Erhöhung – 7:0 (6. Minute). Dann war der Spitzenreiter am Drücker und beackerte die Mallinie der Gastgeber, eine Lücke tat sich jedoch nicht auf. Die Befreiungsversuche konnten die Gäste immer wieder abfangen und wieder Richtung Endzone Raum gutmachen. Dann war die Lücke da und das Ei hinter der Linie. Auch die Erhöhung klappte für den Tabellenführer – 7:7 (17.).
Es blieb keine Zeit zum Durchatmen, schon waren die Reichenhaller wieder im Angriff. Kontinuierlich ging es nach vorne, ehe der Ball bei Florian Rau landete, der nach einem kurzen Sprint zum erfolgreichen Versuch über die Linie sprang. Cora setzte das Ei per Kick zwischen die Pfosten – 14:7 (21.).
Es ging weiter hin und her im Mittelfeld, jetzt sorgten aber einige Einwürfe für eine kurze Verschnaufpause, ehe es wieder richtig zur Sache ging. Fernando Cora eilte nach einem Kick dem Ball hinterher, wurde aber bevor er sich das Leder schnappen konnte im letzten Moment von hinten getackelt (35.). Der Augsburger hatte in dieser Szene Glück, dass Schiedsrichter Andrew Bridger ihn nur mit Gelb für zehn Minuten vom Feld schickte. Auf der anderen Seite fingen die Schwaben einen Kick ab und plötzlich ging es schnell: Über zwei Stationen war Augsburg über links durch – mit dem Schlusspfiff schafften die Gäste einen Try samt Erhöhung zum 14:14-Halbzeitstand (40.).
Nach der Pause ging es druckvoll von beiden Seiten weiter. Der gastgebende RFC war gerade im Vorwärtsgang, als das Ei verloren ging, ein Augsburger einen Spurt über das halbe Feld hinlegte und die Gäste in Führung brachte. Auch die Erhöhung saß zum 21:14 (46.). Zu diesem Zeitpunkt waren die Reichenhaller aber numerisch geschwächt, Christoph Huber lag verletzt auf dem Rasen und musste danach vom Platz.
Im Mittelfeld entwickelte sich in der Folge eine Abwehrschlacht. Mittlerweile zeigte sich auch der Kräfteverschleiß, den die intensive Spielweise beider Teams mit sich brachte. Der RFC hielt trotz der verletzungsbedingten Umstellungen stark dagegen, konnte aber einen weiteren Augsburger Versuch mit Erhöhung nicht verhindern – 28:14 (63.).
Die Raufbolde stemmten sich nun mit aller Macht gegen die drohende Niederlage. Ebenso wie die Fans auf den Rängen drehten sie nun nochmal richtig auf und warfen mit letztem Einsatz alles nach vorne. Fernando Cora fand eine Lücke und verkürzte für die Gastgeber, Lorenzo Spadoni sorgte für die Erhöhung zum 21:28-Anschluss (72.). Es ging weiter mit Vollgas zur Sache, Reichenhall wollte zumindest das Remis. Es folgten dramatische Schlussminuten, in denen den Fans mehrfach der Atem stockte. Doch den Augsburgern gelang es immer wieder, die vehement nach vorne drängenden Raufbolde vor der Endzone zu stoppen. Letztlich reichte es nicht mehr für einen Try.
Nach dem Schlusspfiff hieß es erstmal Luft holen, ehe sich die Teams freundschaftlich abklatschten, sich beieinander sowie beim Referee bedankten und dann gemeinsam bei den Fans verabschiedeten. Aufgrund des knappen Ergebnisses blieb der Einsatz nicht ganz unbelohnt und ein Bonuspunkt landete auf dem Konto der Reichenhaller. Weiter geht es für die Raufbolde in der Regionalliga am 27. Oktober beim BTS Bayreuth

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